Eigene und fremde Sprachen

🔧 Tool-Empfehlung

Um fremde und eigene Sprachen zu erkunden, stelle ich fünf Tolols und Websites vor.

  • Ling Your Language ist eine Webseite zum Sprachen erraten. Man hört ein Gespräch in einer fremden Sprache und muss erraten, um welche Sprache es sich handelt. Dabei werden vier Sprachen zur Auswahl vorgeschlagen.
  • Localingual beschreibt sich selbst als die 'Wikipedia für Sprachen und Dialekte'. Man kann sich auf einer Weltkarte auf ein Land klicken - und kann sich von dort Wörter und Sätze in den lokalen Sprachen oder Dialekten anhören. Besonders schön: Wer mag kann auch eigene Audio-Aufnahmen beisteuern.
  • Paralleltext.io ist eine einfache Webseite, die klassische Literatur in der Ausgangssprache und in einer oder mehreren Zielsprachen zur Verfügung stellt. Auf Klick kann der Text übersetzt werden. Auch eine (leider manchmal etwas blecherne) Vorlese-Funktion ist integriert.
  • Common Voice ist ein Projekt der gemeinnützigen Mozilla Stiftung zum Aufbau einer öffentlichen Datenbank zur Spracherkennung. Jeder und jede kann sich daran beteiligen: entweder, indem bereits eingesprochene Sätze auf ihre Richtigkeit überprüft werden - oder indem vorgegebene Sätze eingesprochen werden.
  • LingoJam ist ein Online-Tool zur Gestaltung eines sehr einfachen, automatischen Übersetzers. Der Fokus liegt durch die Einfachheit in der Gestaltung von Spaß-Übersetzern (z.B. Deutsch in Emojis, Deutsch in Jugendsprache etc.)


💡 Unterrichtsidee: GoogleTranslate-Challenge

Als Tool habe ich Google Translate oben nicht vorgestellt. Für den Fremdsprachen-Unterricht halte ich dieses (oder andere automatisierte Übersetzungstools) aber für eine wichtige Herausforderung. Mit den folgenden beiden Ideen kann Google Tranlate im Unterricht als Thema aufgegriffen und reflektiert werden. Schülerinnen und Schüler lernen auf diese Weise Möglichkeiten einer produktiven Nutzung kennen - und erfahren zugleich die Grenzen. Die unterschiedlichen Ideen können jeweils beliebig angepasst werden. Einsetzbar sind sie in praktisch jedem Fremdsprachenunterricht - nicht nur in Englisch.

  • Fehler finden: Du bereitest je nach Klassengröße mehrere Google-Übersetzungen in die Fremdsprache von beliebigen Texten vor. Gut geeignet sind für die Unterrichtsidee zum Beispiel Märchen. Denn erstens erkennen Schülerinnen und Schüler in der Regel ihren Inhalt, weil sie sich an die Handlung erinnern. Zweitens sind in Märchen oft Worte oder Phrasen enthalten, an denen Google Translate (noch) scheitert. Auf diese Weise können die Grenzen leicht deutlich gemacht werden. Eine gute Übersicht von Märchen in Kurzform findest Du unter anderem auf der Kinder-Nachrichtenseite Duda. Die Google-Übersetzung wird in je ein Pad kopiert. Dazu wird die Frage formuliert: 'Welche Fehler in der Übersetzung fallen Euch auf?'. Die erstellten Pads werden mit Schülerinnen und Schülern geteilt. Eine gute Größe sind z.B. 6 Schülerinnen und Schüler pro Pad. Das Ziel der kollaborativen Arbeit ist es, die Fehler in der Übersetzung gemeinsam zu finden - und vor allem zu systematisieren. Dazu überlegen sich Schülerinnen und Schüler, welche Regeln sie in den Fehlern erkennen (z.B. Eigennamen werden oft mit und damit falsch übersetzt). Zum Abschluss tauschen sich Schülerinnen und Schüler in Form eines Gruppenpuzzles oder gemeinsam mit der ganzen Klasse über die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen aus.
  • 'Stille Post' mit GoogleTranslate: Du kennst sicherlich das Kindergeburtstagsspiel 'Stille Post'. Einer bekommt einen Satz ins Ohr geflüstert und sagt ihn an seinen Nebensitzer flüsternd weiter. Der flüstert in wiederum seinem Nebensitzer ins Ohr ... Am Ende sagt die letzte Person in der Reihe laut, was bei ihr angekommen ist. Die 'Stille Post' Variante von Google Translate ist eine Übersetzung quer durch unterschiedliche Sprachen. Schülerinnen und Schüler können sich mit dieser Unterrichtsidee aktiv mit Übersetzungsoftware auseinander setzen - und erkennen zugleich auch Grenzen in globaler Hinsicht (zum Beispiel, dass kleinere Sprachen offensichtlich deutlich weniger gut übersetzt werden können, wie große bzw. auf der Welt dominierende Sprachen). Die Unterrichtsidee benötigt mehrere Schritte:
    1. Jeder Schüler/ jede Schülerin schreibt einen kurzen Steckbrief über sich oder über ein anderes Thema (z.B. zum zuletzt behandelten Thema) in seiner/ihrer Muttersprache auf und speichert ihn ab.
    2. Der Text wird in Google Translate kopiert und in eine frei gewählte Sprache (nicht die Sprache des aktuellen Fremdsprachenunterrichts) übersetzt.
    3. Die Übersetzung wird umgekehrt (oder kopiert und neu eingefügt).
    4. Der übersetzte Text wird nun in die Sprache des Fremdsprachenunterrichts übersetzt, kopiert und in ein neu begonnenes Etherpad eingefügt.
    5. Diese Schritte werden dreimal wiederholt mit jeweils unterschiedlichen 'Zwischensprachen'. In dem Etherpad befinden sich dann drei Varianten des ursprünglichen Textes.
    Zum Thema Steckbrief siehst Du hier ein Beispiel. Das Pad wird nun mit einem Mitschüler/ einer Mitschülerin geteilt. Die Aufgaben sind:
    1. den Text wieder ins Deutsche zurück zu übersetzen.
    2. sich zu überlegen, welche Übersetzung man für am besten hält und seine Entscheidung zu begründen.
    Am Ende können Original-Text und der mit mehreren Zwischenschritten wieder übersetzte Text verglichen werden. Außerdem können Erfahrungen in einem gemeinsamen Unterrichtsgespräch geteilt werden. Zu einer einfachen Umsetzung der Idee im Unterricht kannst Du das folgende Arbeitsblatt für Schülerinnen und Schüler anpassen. Hier sind die einzelnen Schritte einfach beschrieben und erklärt.

    ➕ Weitere Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

    • Spracherkennungs-Challenge: Schülerinnen und Schüler bilden Gruppen und treten gegeneinander bei 'LingYourLanguage' an. Welche Gruppe erkennt die meisten Sprachen richtig? Zur Vorbereitung kann allen Schülerinnen und Schülern vorab der Link zu LocaLingual zur Verfügung gestellt werden. Hier können sie sich Sprachen vorab anhören und sich auf diese Weise mit unterschiedlichen Sprachräumen vertraut machen. Zum Abschluss des 'Wettbewerbs' erfolgt eine gemeinsame Reflexion: Woran hat man die Sprachen erkannt? Wie unterscheiden sich Sprachen klanglich z.B. in Osteuropa von Sprachen in Südamerika?
    • Common Voice: Mitmachen bei einem kollaborativen Online-Projekt: Mit 'Common Voice' gibt es eine niedrigschwellige Möglichkeit, mit der sich Schülerinnen und Schüler an einem kollaborativen Projekt im virtuellen Raum beteiligen können. Die Idee ist es, öffentliche Daten zu sammeln, die dann im Interesse der Allgemeinheit für Sprach-Software verwendet werden können. Die Beteiligung an 'Common Voice' kann vor diesem Hintergrund mit einem Unterrichtgespräch über Chancen neuer Technologien in der heutigen Gesellschaft verbunden werden - und nötigen Bedingungen dafür, dass Technologie von uns allen und im Interesse von uns allen gestaltet und genutzt werden kann. Wer in Klassen mit mehreren nicht-deutschen Muttersprachler/innen unterrichtet, kann das Projekt zugleich nutzen, um Schülerinnen und Schüler ihre Muttersprachen vorstellen zu lassen.
    • Selbstorganisiertes Lernen mit Paralleltext.io: Paralleltext.io kann für selbstorganisierte Lernphasen genutzt werden. Schülerinnen und Schüler können sich je nach Interesse einen bestimmten Text auswählen und (bei Bedarf mit Unterstützung durch die Übersetzung) lesen. Wer nicht unbedingt ein integriertes Übersetzungstool benötigt, sondern eigene Übersetzungstools verwenden darf oder den Sinn auch mit aus Bildern erschließt, für den sind die Global Digital Library oder StoryWeaver gute Anlaufstellen. Schön an diesen Portalen: es werden Geschichten mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise eignen sich die Seiten auch gut zum Globalen Lernen.
    • Mein eigenes Übersetzungs-Tool: Schülerinnen und Schüler gestalten mithilfe von LingoJam ein eigenes Übersetzungs-Tool mit selbstgewählten Regeln. Die erstellten Übersetzer können untereinander ausgetauscht und ausprobiert werden. Daran kann sich eine Reflexion darüber anschließen, ob auf diese Weise auch Google Translate oder andere heutige Übersetzungstools gestaltet werden. Antworten darauf gibt es unter anderem in diesem kurzen Youtube-Clip oder in diesem ausführlichen Blogbeitrag (z.B. zur eigenen Vorbereitung, um Fragen der Schülerinnen und Schüler dazu beantworten zu können).

    🚀 Viel Spaß beim Ausprobieren! 🎆